aus Friedrich Hölderlins Gedicht „Friedensfeier“. Der Dichter hat beim Titel des Gedichts auf einen Artikel verzichtet. Es geht demnach vielleicht nicht nur um eine bestimmte Friedensfeier, auf die der Dichter hinweisen möchte, sondern das Gedicht könnte selbst eine Friedensfeier sein – eine, die sich durch das Lesen des Gedichtes vollziehen lässt.

Die erste der insgesamt zwölf Strophen ist mit dem Bild einer Geburtstagsfeier, einer angenehmen Gartenparty im kleinen, freundschaftlichen Kreise noch durchaus zu vereinbaren. Hölderlin beschreibt einen seligen Saal, voll gereiftester Früchte und goldbekränzter Kelche sowie sich auf dem grünen, duftenden Teppich findende, liebende Gäste. Doch bereits in der zweiten Strophe übertrifft der Grad der Feierlichkeit konventionelle Festivitäten. Wir erfahren von einem „Fürsten des Fests“ der zwar Freundesgestalt annehmen kann, doch sicherlich selbst nicht sterblich ist. Textliche Nähe ergibt sich zur Messias-Verheißung bei Jesaja (9,6f), in der vom „Friedefürst“ die Rede ist.

Im Jahr 1954, 111 Jahre nach Hölderlins Tod, tauchte im Londoner Autografen-Handel die unbekannte Reinschrift dieser 12-strophigen Hymne Hölderlins auf. Der Fund war eine Sensation – und führte sofort und bis heute zu heftigem Streit der Fachleute. Wer ist dieser rätselhafte Fürst des Festes: eine griechische Gottheit? Napoleon? Oder – Christus? Eine Frage der Weltanschauung dessen, der liest.

Am Donnerstag, 16. Juni um 19:30 Uhr werden solche Fragen bewegt, der Inhalt des Gedichts zusammengefasst und schließlich der ganze Text rezitiert – mit dem Ziel, dass der Abend eine Friedensfeier wird.

Jochen Butenholz