Liebe Gemeinde,

„…und Friede auf Erden den Menschen, die eines guten Willens sind“ – so klingt die Weihnachtsbotschaft noch in meinen Ohren nach und bringt mich immer wieder neu ins Rätseln. Es klingt so einfach, so selbstverständlich. In der Theorie stimmen Theorie und Praxis bekanntlich überein – aber im „echten Leben“? So einfach und gleichzeitig allumfassend kann diese Botschaft vielleicht nur zu Weihnachten sichtbar werden. Sie erscheint in dieser Zeit, wo der Himmel offen ist, und birgt für das ganze Jahr genug Inhalt und Aufgaben, die wir wie gestellte Rätsel in das Leben des Jahres mitnehmen können.

Ideal und Wirklichkeit in ein ständiges Beziehungs-Erneuerungs-Gespräch zu bringen, so individuell und vielfältig, wie es Menschen gibt, das könnte der erste daraus erfolgende Schritt in der Epiphanias-Zeit sein, in der wir uns gerade befinden. Wie können wir Frieden in die Welt tragen? Was heißt „guter Wille“? Was hat dieser gute Wille mit dem Blick auf die Schattenseiten zu tun? Wie geht das ganz praktisch im täglichen Leben? Auf diese Fragen hin bahnt sich eine Empfindung von Bescheidenheit ihren Weg an die Oberfläche. Und zugleich eine Zuversicht, dass es sehr viele Menschen gibt, die den Willen zum Frieden in sich tragen.

Wie kann sich dieser gute Wille im Lauf des Jahres als friedenbringende Kraft bewahrheiten? In der Vorbereitung auf die diesjährige Passions- und Osterzeit haben wir uns mit einigen Kollegen aus Nachbargemeinden in Göttingen getroffen, um gemeinsam inhaltlich an den Themen zu arbeiten, die wir in den Gemeinden bewegen wollen. Dabei fiel unser Blick auf Verbrennungsvorgänge. Der Mut, durch das Feuer hindurch auf die Auferstehungskräfte zu blicken, eröffnet einen neuen Blick auf den guten Willen zum Frieden.

Auf diese Weise können wir durch das Jahr gehen, in dem wir den Blick einerseits wach und mitverfolgend auf die großen Ereignisse der Weltgeschichte lenken, andererseits diesen Blick auf die kleinen alltäglichen Situationen richten, in denen unser Handeln gefragt ist, wo etwas von dem Willen zum Frieden in uns wieder neu erwacht, und Wirklichkeit werden kann.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und uns allen einen guten Weg,

Ihre,
Felicia Holland

Eugen Roth, Beobachter der Untiefen

„Die beste Wirkungskraft verliert
Die Salbe, die zu dick geschmiert.
Auch Zuspruch, wenn er heilen soll,
Sei darum nicht zu salbungsvoll.“

Anlässlich der nahenden Faschingszeit soll am 6. Februar ein Geselliger Nachmittag dem Dichter Eugen Roth gewidmet sein, der mit sehr feinem, manchmal entlarvenden, aber liebevollen Blick die Untiefen des Menschseins beschrieben hat. Er verstand es, in politisch brisanten Zeiten, in denen er seine Weltsicht nicht offen äußern durfte, scheinbar unpolitisch alles zu sagen, was er beobachtete.

Claudio Holland

Grundthemen der Christengemeinschaft 3 und 4

Schon 2.000 Jahre dauert der fortgesetzte Versuch, Christus zu verstehen.

In den ersten Generationen war zunächst fast reines Erleben, so stark, dass die Erkenntnisfrage kaum auftauchte. Dann schwand das Erleben, insbesondere die in der griechischen Kultur entwickelte Philosophie wurde eingesetzt, um zu verstehen, was zuvor nur Erleben war. Sogleich traten die verschiedensten Abirrungen auf. Das Denken ist eben irrtumsbelastet; außerdem eignen sich Gedanken gut, um verborgene andere Motive zu verschleiern, Machtansprüche zum Beispiel.

Auch wenn die Anthroposophie schon manche Denkanstöße vermittelt hat, steht jede Generation neu vor der Frage: Wer ist Christus?

An den Donnerstagen 9. und 23. Februar soll jeweils um 19:30 Uhr unsere kleine Reihe über Grundthemen der Christengemeinschaft mit dieser Frage fortgesetzt werden. Dabei soll am ersten der Abende die Formulierung aus dem guten alten Lied „Es ist ein Ros’ entsprungen“ im Mittelpunkt stehen: „Wahr’ Mensch und wahrer Gott“ und am zweiten eine Formulierung aus der Apokalypse des Johannes: „Ich bin das A und das O“.

Jochen Butenholz

Musikalische Andacht am Faschings-Sonntag

Das Feiern von Karneval / Fasching scheint in Hannover nicht durchgreifendes Bedürfnis zu sein. Oder sind die kabarettistisch und humoristisch Hochbegabten in unserer Runde noch unentdeckt?

Und doch liegt in diesen Tagen etwas in der Luft, das man vielleicht nicht völlig ignorieren möchte – weil es eben da ist …

In diesem Jahr machen wir einen neuen Versuch, indem wir am Faschingssonntag, dem 19. Februar um 17:00 Uhr zu einer Musikalischen Andacht der vielleicht etwas anderen Art einladen. Bodil Mohlund und Azusa Katayama präsentieren auf zwei Klarinetten (zum Teil auch mit Bassklarinette) Musik aus dem weiten Feld zwischen Astor Piazzolla, Benny Goodman, Klezmer und Csárdás.

Jochen Butenholz

Französische Romantik trifft argentinische Leidenschaft

Das Schelberg-Trio ist ein Klaviertrio aus Hannover, das in der Besetzung mit Flöte, Cello und Klavier Seltenheitswert hat. Mit Leidenschaft und Feuer der Romantik sowie ausdrucksstarker Musik des 20. Jahrhunderts begeistern Bernadette Schachschal, Lukas Helbig und Tatiana Bergh seit Jahren ihr Publikum. Das Trio lässt „farbenreiche hymnische Emphase und spätromantische Gefühle glühen“, gibt sich „der Poesie und Lyrik hin“ und berührt mit „klangintensivem Spiel“. (Die Rheinpfalz, Mai 2016)

Bernadette Schachschal, die ihr Studium in Karlsruhe absolvierte, und Lukas Helbig, der seinen musikalischen Ausbildungsweg von Dresden über Paris nach Hannover ging, sind als stellvertretende Soloflötistin und als Cellist des Niedersächsischen Staatsorchesters an der Staatsoper Hannover engagiert. Tatiana Berghs Leidenschaft für das Klavier führte sie nach ihrem Studium in Moskau und Hannover zu einer Dozentur an die Hannoversche Musikhochschule und als Gesangskorrepetitorin an die Staatsoper Hannover.

Am Sonntag, dem 5. März um 17:00 Uhr spielen die drei bei uns Werke von Philippe Gaubert (1879 – 1941), Astor Piazzolla (1921 – 1992) und anderen.

Jochen Butenholz

Walter Jens zum 100. Geburtstag

Walter Jens (Hamburg, 8. März 1923 – Tübingen, 9. Juni 1913) war wohl einer der wirksamsten deutschen Intellektuellen des 20. Jahrhunderts. Der Altphilologe, Literaturwissenschaftler, Schriftsteller, Kritiker und Übersetzer wirkte insbesondere als Professor für Rhetorik in Tübingen, als Präsident des PEN-Zentrums Deutschland und als Präsident der Berliner Akademie der Künste. Überraschend war seine Veröffentlichung sehr eigener Übersetzungen der Evangelien und der Apokalypse. Erhebliche Aufmerksamkeit erregte die eigene Darstellung seiner Depression sowie in den letzten Lebensjahren die ausführliche Beschreibung seiner demenziellen Erkrankung durch Sohn und Ehefrau.

Im Geselligen Nachmittag am Montag, dem 6. März, zwei Tage vor seinem 100. Geburtstag, soll an diesen Menschen erinnert werden, insbesondere durch Ausschnitte aus seinen Übersetzungen.

Jochen Butenholz

Kreuz und Kirche im Kaukasus – Reiseeindrücke aus Armenien und Georgien

Überall in Armenien und Georgien trifft man auf Zeugnisse eines alteingesessenen Christentums: Kirchen, Klöster, Ikonen und, als armenische Besonderheit, Kreuzsteine. Sie sind Ausdruck einer in der Bevölkerung tief verankerten Religiosität, deren Ausstrahlung weit über die heutigen Staatsgrenzen hinausgeht. Mit Eindrücken und Bildern aus mehreren Reisen in die Region möchte ich am Donnerstag, 9. März um 19:30 Uhr, damit auch vielfachem Wunsch folgend, der Eigenart christlicher Tradition im Osten nachspüren.

Wolfgang Heckhausen

Vernissage der Ausstellung von Sophia Vietor

„Lebensbilder von Bäumen und Menschen“ – so ist der Titel der Ausstellung mit Bildern und Zeichnungen von Sophia Vietor, die vom 12. März bis 24. Juni 2023 im Saal zu sehen ist. Eröffnet wird sie am 12. März um 11:45 Uhr mit Gedichten aus ihrem Zyklus „Gesang der Bäume“ und Musik von Niels Junge. Es besteht die Möglichkeit zum Gespräch mit der Künstlerin.

Sophia Vietor wurde 1961 in Kassel geboren und besuchte als Jugendliche Aquarellkurse bei Heribert Losert. Neben dem Studium der Germanistik und
Philosophie in Berlin und Hamburg, das sie mit einer Promotion über Novalis abschloss, bildete sie sich im Malen und Dichten weiter. 100 Tage lang führte sie Besuchergruppen durch die Dokumenta IX in Kassel. Seit 2008 stellte sie Bilder in Hamburg, Rostock, Unterlengenhardt, Wiesbaden und Chemnitz aus.

In der Ausstellung werden Aquarelle auf Holzmaserung, Antlitz-Zeichnungen und heitere Strichfiguren zu sehen sein, die im Laufe der letzten Jahre entstanden sind. Im dialogischen Prozess von Farbe und Form wurden die im Sperrholz erstarrten Lebensspuren der Bäume in leuchtend-bewegte Bilder verwandelt. Sie erinnern an weite Landschaften, Tageszeitenstimmungen oder Erscheinungsformen der Elemente.

Die Antlitz-Zeichnungen beschäftigen sich mit der Suche nach einem konzentrierten Ausdruck des menschlichen Gesichts als Spiegel geistiger Haltungen. Sie wurden mit Holzkohle gezeichnet und haben einen meditativen Charakter. Dagegen deuten die heiteren Strichfiguren Situationen und Seelengebärden an, wie wir sie im täglichen Umgang miteinander erleben. Sie entstehen spontan aus einer zufälligen Linie und konfigurieren sich fast wie von selbst, bis hin zum Titel. Vielleicht regen sie zu eigenen spielerischen Versuchen an, das wäre schön!

Sophia Vietor

Duo Lys: Konzert für Cello und Klavier

Das Duo Lys ist mit Bethan Lillicrap (Cello) und Christian Lillicrap (Klavier) ein Vater-Tochter-Duo mit Sitz in Berlin und Gloucestershire, England. Sie freuen sich, uns am Samstag, dem 18. März um 17:00 Uhr ein buntes Programm mit Musik für Cello und Klavier aus 150 Jahren zu präsentieren, u.a.:

Frederick Delius: Sonate für Cello und Klavier
Ludwig van Beethoven: 4. Cello-Sonate Op. 102 No. 1
Olivier Messiaen: Louange a l’éternité de Jesu
Bohuslav Martinu: Variationen über ein slowakisches Thema
Das Konzert wird etwa eine Stunde dauern.

Bethan Lillicrap wurde in Devon, England, geboren und zog als Kind im Jahr 2000 nach Sydney. Sie wuchs in einer musikalischen Familie auf und lernte zunächst Cello von ihrem Vater Christian, während ihre Mutter Liza ihr Klavier und Gesang beibrachte. Nachdem sie ihren Bachelor of Music am Sydney Conservatorium bei Umberto Clerici gemacht hatte, wurde sie 2016 für das Sydney Symphony Orchestra Fellowship Program ausgewählt. 2017 zog sie nach Berlin, wo sie freiberuflich mit Orchestern und Ensembles in ganz Deutschland zusammenarbeitete und gleichzeitig privat bei Mischa Meyer, dem Solocellisten des Deutschen Sinfonieorchesters, studierte. Sie hat einen Master of Music an der Hochschule für Musik und Theater in Rostock erworben und studierte bei der bedeutenden bulgarisch-deutschen Cellistin Antoaneta Emanuilova. Im Jahr 2021 spielte sie mit der weltberühmten Deutschen Kammerphilharmonie Bremen für mehrere Aufnahmen von Haydn-Sinfonien. Wenn sie in Sydney ist, spielt sie regelmäßig mit dem Opera Australia Orchestra und dem Sydney Symphony Orchestra. Sie freut sich auch über jede Gelegenheit, in kleineren Kammermusik-Besetzungen zu spielen, eine der Formen des Musizierens, die ihr am meisten am Herzen liegt.

Christian Lillicrap hat nach seinem Studium am Royal College of Music in London sein Leben damit verbracht, Musik aller Art zu spielen und zu unterrichten, zunächst in England und später in Sydney, Australien, wo er über 20 Jahre lang lebte. Er liebt es, dem Publikum und anderen Musikern seine Liebe zur Musik zu vermitteln und ihre Kraft, unsere Lebenserfahrung zu verwandeln. Über viele Jahre hat er sowohl Erwachsene als auch Kinder in verschiedenen Kontexten unterrichtet, von Schulen bis hin zu Konferenzen und Seminaren, und Kammermusik von Mozart bis Messiaen aufgeführt. Er mag Musik aus allen Epochen und vielen verschiedenen Genres, aber seine besondere Liebe gilt der Musik des 20. Jahrhunderts. Zu den von ihm aufgeführten Lieblingsstücken gehören Strawinskys Konzert für Klavier und Bläser, Messiaens Quartett für das Ende der Zeit und die Landschaften für Klavierquartett des australischen Komponisten Peter Sculthorpe. Er hat auch als Begleiter von Bewegungs-Kunst mitgewirkt, unter anderem für London Extemporary Dance, die Sydney Eurythmy Company und das Australian Ballet. Er lebt jetzt in Stroud, England, wo seine Frau als Pfarrerin der Christengemeinschaft arbeitet.

Bethan und Christian Lillicrap

Der Sündenbock: ein Vorbild Christi

„Sündenbock“ als Begriff hat eine besondere Geschichte. Zunächst war es die Bezeichnung eines Opfertieres im jüdischen Kultus, später verwandelte sich dieses Wort in eine Bezeichnung für einen bestimmten sozialen Vorgang, bei dem eine Gruppe die eigene Verantwortung einem einzelnen Mitglied zuschiebt. Aber wie ist eigentlich der Zusammenhang zwischen beiden? Warum gibt es diesen Vorgang überhaupt? Wie offenbart uns die Tat Jesu Christi den Sündenbock-Mechanismus und wie können wir durch ihn lernen, aufzuhören andere zu Sündenböcken zu machen? Dies sind Fragen, die ich am Donnerstag, den 23. März, in meinem Vortrag zu berühren hoffe.

Der Vortrag basiert auf einer Abschlussarbeit, die ich im letzten Frühling am Priesterseminar in Toronto gemacht habe, und er ist teilweise von den Werken René Girards inspiriert.

Daniil Kalinov

Giovanni Pergolesi: Stabat Mater

Giovanni Battista Pergolesi (1710 – 1736) war ein italienischer Barock-Komponist in Neapel. Sein europaweiter Nachruhm stellte ein neues Phänomen in der Musikgeschichte dar und übertrifft die unmittelbare Nachwirkung von Bach und Mozart bei weitem. Sein früher Tod gab ähnlich wie im Falle Mozarts Anlass zu schwärmerischer Verehrung und sentimentaler Verklärung, hinter der die reale historische Persönlichkeit nahezu verschwand.

Sein „Stabat mater“ war im 18. Jahrhundert das am häufigsten gedruckte Musikstück und hat zahlreiche Bearbeitungen erfahren. Die originale Fassung für zwei Solostimmen (Sopran und Alt), Streicher und Basso continuo hat sich erst im Zuge der Alte-Musik-Bewegung wieder durchgesetzt. „Stabat Mater“ ist der lateinische Textanfang einer mittelalterlichen Dichtung unbekannten Autors. Sie spielt eine gewisse Rolle in der katholischen Liturgie und ist vielfältig vertont worden.

Am Palmsonntag um 17:00 Uhr wird dieses Stück in einer Musikalischen Andacht (mit Jochen Butenholz) von Christel Chikh und Barbara Hug gesungen und von Finn Schimmel an der Orgel begleitet.

Jochen Butenholz

Abendpredigten mit Musik in der Karwoche

„…mit Feuer – gesalzen werden“ (Markus 9)

Karmontag, 3. April, 18:00 Uhr
nähren – sterben (Thomas Demele, Kassel)

Kardienstag, 4. April, 18:00 Uhr
wärmen – vernichten (Claudio Holland)

Karmittwoch, 5. April, 18:00 Uhr
wahrnehmen – urteilen (Felicia Holland)

Gründonnerstag, 6. April, 18:00 Uhr
sein – werden (Frank Hörtreiter)

Karfreitag, 7. April, 16:00 Uhr
Andacht in der Todesstunde Jesu Christi
4 Sprecher, Musik: Thomas Reuter (Orgel)

Karsamstag, 8. April, 18:00 Uhr
auflösen – festhalten (Hans-Bernd Neumann, Kassel)

Oster-Gesänge der ukrainisch-orthodoxen Kirche

Inzwischen sind sie vielen von uns vertraut, die jungen Sänger des Rachmaninov-Ensembles aus Kiew in der Ukraine. Dieses Mal werden sie uns Oster-Gesänge aus der (ukrainisch-)orthodoxen Kirche mitbringen, am Oster-Dienstag, dem 11. April, um 19:30 Uhr. Wie üblich wird die Musik integriert in eine Andacht unter Mitwirkung von Jochen Butenholz.

Jochen Butenholz

Für Kinder

Aussäen des Osterweizens und Osterfest
Am Sonntag, den 19. März, laden wir um 11:45 Uhr im Anschluss an die Sonntagshandlung alle Kinder und Erwachsenen ein, in der Kirche den Osterweizen auszusäen. Wir bitten wieder darum, dass jedes Kind einen eigenen Topf mit Erde mitbringt! (Für Notfälle halten wir einen Blumentopf mit Erde bereit – also bitte nicht wieder umkehren, falls der Topf vergessen wurde.)

Am Ostersonntag, den 9. April, findet dann ebenfalls im Anschluss an die Sonntagshandlung um 11:45 Uhr das Osterfest statt. Hier bitten wir, dass jedes Kind seinen Topf mit der gekeimten Saat wieder mitbringt.

Claudio Holland • Felicia Holland • Jochen Butenholz

Mitteilungen

Umbau der bisherigen Küche zum Gästezimmer

Im vorigen Gemeindebrief hatten wir von dem Plan berichtet, die bisherige Küche im Untergeschoss zu einem Gemeinde-Gästezimmer umzubauen. Das ist nicht ganz billig, da aus Brandschutz-Gründen ein größeres Fenster eingebaut werden muss. Dafür hatten wir um Voten und Spenden gebeten. Laut Aussage der Verwaltung sind mittlerweile über 7.000 € als Spenden zugesagt bzw. schon eingegangen. Dafür ein ganz herzlicher Dank!

Der Gemeinderat muss dazu noch beraten und beschließen, aber es wäre vielleicht keine Überraschung, wenn Sie dort demnächst Handwerker antreffen.

Der Finanzkreis: Jochen Butenholz, Eckhard Kalettka, Reiner Scheiwe

Gesprächskreis mit neuem Thema

Im Vollzug der Weihehandlung wird den Mitfeiernden nur an einer Stelle eine konkrete Aufgabe gestellt: Wir sollen etwas in unsere Gedanken aufnehmen, und zwar den Zusammenhang zwischen einerseits Leib und Bekenntnis, andererseits Blut und Glaube.

Im vergangenen Jahr hat uns im Gesprächskreis dienstags um 18:15 Uhr der Text des Bekenntnisses beschäftigt, insbesondere in seiner leibbildenden Eigenschaft. Der Durchgang durch die zwölf Motive ist abgeschlossen, es soll uns nun ab Februar die polare Seite beschäftigen: Blut und Glaube. Zentral wird uns der Text des Vaterunsers beschäftigen, dessen sieben Bitten willensbildende Kraft beinhalten.

Neue Gesprächsteilnehmer sind willkommen.

Jochen Butenholz

Neue Bücher

Überraschungen gibt es auch bei Büchern. So geschah es mir kürzlich, als mir das Büchlein „Demokratie braucht Religion“ von Hartmut Rosa in die Hände fiel.

Der Autor, Jahrgang 1965, ist als einer der renommiertesten Soziologen des Landes Professor in Jena. Seit einiger Zeit beschäftigt ihn die Beziehung zwischen Ich und Welt, wobei er im Gegensatz zur üblichen Betonung der „Entfremdung“ den Blick auf „Resonanz“ richtet, also auf Verbindung statt Trennung. Hier sieht er sich in der Tradition von Erich Fromm.

Das Buch ist die Überarbeitung eines Vortrages, den Rosa beim Würzburger Diözesan-Empfang im Januar 2022 hielt, mit einem Vorwort von Gregor Gysi.

Zum Inhalt: Religion gilt in der modernen Gesellschaft wechselweise als überholter Rest von Lebensformen lang vergangener Zeiten, als Spielart des Aberglaubens, der man privat gerne nachgehen mag, ohne bitte öffentlich darüber zu reden, oder gar als gefährliche Vorstufe von Fundamentalismen.

Dass die großen Kirchen hierzulande – auch unabhängig von den aktuellen Skandalen – ein massives Problem haben, ist kein Geheimnis. In diesen Raum hinein stellt Rosa die Frage:  Was verliert eine Gesellschaft, was verliert die Demokratie, wenn Religion darin keine Rolle mehr spielt? Worin liegt das Potenzial der Religion für unsere Zukunft als Demokratie? Denn Gesellschaft braucht notwendig Verbindungen, also in seiner Sprechweise „Resonanzen“, um der Zersplitterung der Gemeinschaften und der Zerstörung der Ressourcen unserer Erde entgegenzuwirken, und er weist darauf hin, dass es insbesondere in der Religion Geschichten, Praktiken, Rituale gibt, die solche Resonanzen pflegen, horizontal wie vertikal.

Hier ist es nun faszinierend zu sehen, dass Rosa exakt analysiert, wie solche „Resonanzen“ – ich würde es nennen: „Beziehungen“ – zustande kommen. Vier Schritte beschreibt Rosa: 1. Anrufung; etwas tritt mir entgegen, das mich berührt, weil es mich über mich hinausführt. 2. Antwort: das an mich Her­an­tretende bewirkt, dass in mir eine Bereitschaft zur Veränderung entsteht. 3. Transformation, Verwandlung: Wo Resonanz zustande kommt, verändere ich mich. 4. Es entsteht Neues, aber es ist nicht voraussagbar, ob es geschieht, wann es geschieht und was dabei herauskommt.

Tastet man sich in diese vier Prozesse hinein, so entdeckt man, dass es sich um genau die vier Stufen handelt, die uns von der Weihehandlung vertraut sind: Verkündigung – Opferung – Wandlung – Kommunion.

Ich habe keinen Hinweis darauf gefunden, dass dem Autor die Weihehandlung bekannt ist. Wenn das stimmt, hätte er die Gesetzmäßigkeit von „Resonanz“ bzw. „Begegnung“ selber gefunden – ein schönes Ergebnis! Dass Gesellschaft, insbesondere demokratische Gesellschaft genau solche Prozesse braucht, um nicht zu sklerotisieren, liegt auf der Hand.

Sein Motto: „Demokratie ist das zentrale Glaubensbekenntnis unserer Gesellschaft, aber sie erfordert eben Stimmen, Ohren und hörende Herzen.“

Fazit: Es braucht sicher nicht jeder dieses Büchlein zu lesen, aber es ist gut zu wissen, dass es das gibt – und das als Spiegel-Bestseller.

Hartmut Rosa: Demokratie braucht Religion (mit einem Vorwort von Gregor Gysi). Kösel, München, ⁶2023, 12 €.

Jochen Butenholz